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Grundformen und ein rhythmischer Wochenarbeitsplan

Vielfalt von Lernsituationen
In Jenaplanschulen gibt es eine Vielfalt von Lernsituationen. Grundsätzlicher Art sind die sogenannten Grundformen des Zusammenlebens: das Gespräch, das Spiel, die Arbeit, das Helfen und die Feier. Sie alle sind Konkretisierungen des grundsätzlichen Konzepts in der Jenaplantheorie: Die pädagogische situation. Situationen kann man in dem Sinne plannen, daß man ein Handeln plant und, daß man die dafür notwendigen Voraussetzungen schafft, aber die persönlichen Entscheidungen, die die Schüler treffen müssen, ihre persönlichen Antworte auf die Situationen, kann man nicht planen. In pädagogischen Situationen ist diese persönliche, existentielle Antwort sogar wesentlich. Darum wird in vielen Fällen die pädagogische Planung mehr den Charakter eines Was kann geschehen? statt eines Was soll geschehen?  haben. Diese Art einer Planung hat nichts mit einer Laisser faire - Ansatz zu tun, denn der Lehrer ist und wird immer für seine Klasse/Gruppe, für ihr Wohlbefinden und ihre Entwicklungsmöglichkeiten verantwortlich sein und bleiben. In einigen Situationen muß der Lehrer die Kinder sogar unmittelbar und deutlich führen. Gemeinsam und in ihrer Reihenfolge ergeben die fünf Grundformen einen rhythmischen Wochenarbeitsplan.

Das Gespräch
Das Gespräch findet meistens im Kreis statt, wo jeder jeden sieht und wo niemand dominiert. Wenn die Kinder den Kreis zusammenstellen, werden alle Tische zur Seite geschoben. Der Kreis hat im Prinzip eine absolut demokratische Struktur. Vom Lehrer oder von der Lehrerin, und den Kindern, wird ein demokratisches Verhalten abverlangt. Der Kreis an Montagsmorgen hat einen Planungscharakter (was werden wir diese Woche machen Spezielle Themen oder Projekten und bestimmten Regeln wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt). Der Kreis zum Abschluß der Woche hat einen evaluativen Charakter. Im Mitwochskreis werden die laufenden Sachen gemeinsam besprochen. Für Fragen die im Kreis entstehen werden Kinder individuell oder mit einem Partner oder in einer Kleingruppe während der alltäglichen Gruppenarbeit versuchen Antworten zu finden. Wenn die Schüler ihre Arbeit oder ihre Studie beendet haben, wird der Lehrer oder die Lehrerin entscheiden welche Berichte fertig sind um sie der ganzen Klasse/Gruppe vorzustellen. Im Berichtkreis berichten die Mitglieder der Arbeits- oder Studien-gruppe über ihre Arbeit und anschließend werden die Fragen der Klasse/Gruppe beantwortet. In der Kindergartengruppe und in der alters-verschiedenen Mittelstufengruppe hat der Beobachtungskreis und der Erzählkreis eine wichtige Funktion für den Erwerb von sprachlichen-, Kommunikations- und andere Informationstechniken und -Fähigkeiten.

Die Arbeit
Die Arbeit in der Mittelstufengruppe wird zuerst bestimmt vom Erwerb der Grundfertigkeiten (Lesen, Schreiben und Rechnen), vom Einüben dieser Fertigkeiten in der alltäglichen Gruppenarbeit. Es gibt auch indivi-duelle Arbeiten während der Weltorientierung. In der Arbeit in der Oberstufengruppe werden diese Fertigkeiten vertieft in homogenen Niveaugruppen, in Einschulungskursen für spezielle Fähigkeiten und deren Einübung in der alltäglichen Gruppenarbeit, und gibt es auch die Arbeit an Projekten und individuellen Aufgaben in der Weltorientierung. Das Lernen in der Kindergartenstufe kann man am besten als ein Lernen durch Handeln bezeichnen.

Das Spiel
Das Spiel ist eine wichtige Aktivität-an-sich aber eine Art des Lernens.
Das Einüben der Grundfertigkeiten in der Mittelstufengruppe geschieht überwiegend durch Lern-spiele. Das Spielen in der Mittelstufengruppe sollte im allgemeinen ein Lernen durch-Spielen sein. Lernen in der Kindergartengruppe geschieht in Spielformen, oder wie es von Erwachsenen meistens betrachtet wird, durch nichts anderes als spielen. Diese Annäherungsweise ist nichts Zufälliges oder Überholtes. Der Jenaplan-Kindergarten und die Mittelstufengruppe sind ja auf Fröbels Erziehungs-philosophie gegründet, wie das auch mit vielen englischen Infant- und Primaryschools der Fall ist. Wenn diese sich in Familien-gruppen organisiert haben, gibt es zwischen ihnen und den Jenaplanschulen kaum Unterschiede. Die Feier schließlich kann, dem Inhalt wie der Leitung nach sehr unterschiedlich gestaltet werden. Das hängt vom Kollegium der betreffenden Schule ab. Es gibt Feiern zum Beginn und Abschluss der Woche, entweder für die gesamte Schulgemeinde oder für die einzelnen Klassen/Gruppen in ihren Schulwohnstuben. Jede Schule bestimmt selbst, ob die Lehrer auch mitmachen, ob sie gemeinsam mit einigen Kindern etwas machen oder ob nur die Kinder etwas aufführen.




Die Art der Feier

Die Art der Feier ist, der jeweiligen Situation entsprechend, unterschiedlich.Die Geburtstagsfeiern werden in der Regel von den Kindern selbst gestaltet. Seit einigen Jahren schenkt man dem individuellen und spirituellen Kern der sozialen Grundformen, wie auch der Bedeutung der Stille, der Meditation und der genauen Beobachtung für die persönliche Entwicklung wieder mehr Aufmerksamkeit.